Aus Interesse an Zeitgeschichte sowie gesellschaftlichen und politischen Themen nahm ich das Studium der Rechts- und Politikwissenschaften auf. Die 1980er Jahre waren die Zeit des erstarkenden Umweltbewusstseins und damit verbundener Konflikte. Ich erkannte darin den Brennpunkt der langfristig notwendigen Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft. 1988 untersuchte ich in meiner Diplomarbeit „Wasserkraftausbau Untere Ill – Bürgerprotest und Bürgerbeteiligung“ anhand der Kontroverse um ein letztlich verhindertes Laufkraftwerkprojekt in Vorarlberg Möglichkeiten und Grenzen der Bürgerbeteiligung bei Großprojekten.
Eine Vertiefung im Umweltvölkerrecht im Rahmen eines juristischen Wettbewerbs in den USA (1995) und meine Begeisterung für die Europäischen Gemeinschaften wiesen mir 1996 den Weg in die EU-Abteilung des Umweltministeriums. Dort war ich für die Koordination der österreichischen Position für den EU-Umweltministerrat verantwortlich. Diese mitunter schwierige Aufgabe erforderte die Kooperation mit den Fachabteilungen im Ministerium, den anderen Ministerien, der Ständigen Vertretung in Brüssel, den Umweltministerien der EU-Mitgliedstaaten sowie den Sozialpartnern und den Nichtregierungsorganisationen. Eine besondere Herausforderung war die erste österreichische EU-Ratspräsidentschaft 1998.
Fünf lehrreiche Jahre und ein Projekt in Brüssel
1999 wechselte ich nach Brüssel, das mich nachhaltig prägte. Meine Tätigkeit an der Ständigen Vertretung Österreichs umfasste neben den fast täglichen Verhandlungen im EU-Umweltministerrat Arbeitsbeziehungen zu den EU-Mitgliedstaaten, EU-Organen, österreichischen, europäischen und internationalen Interessenvertretungen, regelmäßige Vortragstätigkeit sowie Kontakte zu Journalisten. Ich initiierte und organisierte 2003 in Brüssel elf Kurse zur Vorbereitung der in Brüssel lebenden Österreicherinnen und Österreicher auf die Auswahlverfahren der Europäischen Kommission sowie des Europäischen Parlaments.
Die Welt aus der Sicht des Ballhausplatzes
Von 2004 bis 2016 leitete ich die Abteilung Umwelt, Nachhaltigkeit, Verkehr im Bundeskanzleramt, was die laufende Beschäftigung mit Kernfragen der Klima-, Energie-, Verkehrs-, Sozial-, Wirtschafts- und Finanzpolitik erforderte. Meine zentrale Aufgabe in der EU-Ratspräsidentschaft 2006 war die Vorbereitung der Beschlüsse des Staats- und Regierungschefs über die Energiepolitik für Europa sowie über die EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung. Letzteres bedeutete für mich unter anderem Vorsitzführung in Brüssel samt Panel-Diskussionen und Vorträgen in Brüssel und Österreich. Unvergessliche Höhepunkte meiner Tätigkeit waren die UN-Klimakonferenzen in Kopenhagen, Cancun und Paris. 2005 absolvierte ich den Strategischen Führungslehrgang der Landesverteidigungsakademie, der eine ganzheitliche Sicht auf diverse kollektive Herausforderungen vermittelte.
Buchveröffentlichung zur Reform der Bundesregierung
Seit meinem Studium interessiert mich das Spannungsverhältnis zwischen drängenden Transformationen und nicht mehr zeitgemäßen rechtlichen Regelungen. Im Bundeskanzleramt stellte ich mir die Frage, wie es der Bundesregierung in einer komplexen Welt im Wettbewerb und Verbund mit anderen Staaten besser gelingen könnte, strategische Politikgestaltung aus einem Guss zu betreiben. Dies war nach 13 Jahren Praxis der Schwerpunkt meiner Doktorarbeit „Leitlinienkompetenz des Bundeskanzlers“ bei Bernd-Christian Funk. Für die Buchpräsentation konnte ich unter anderem Caspar Einem und Heinrich Neisser als Diskutanten gewinnen.
Aus der Praxis wieder in die Schule
Die Hochschullehre ist mir seit vielen Jahren ein besonderes Anliegen. Ich selbst habe am meisten von Professorinnen und Professoren gelernt, die ihr Wissen auch gelebt haben. In meinen Lehrveranstaltungen vermittle ich jungen Menschen meine praktischen Erfahrungen in Verbindung mit theoretischer Fundierung und Rahmung.
Derzeit unterrichte ich im Programm „Zukunftsfähiges Wirtschaften“ an der Wirtschaftsuniversität Wien, an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien sowie am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf.